Famulaturbericht: Mein vierwöchiger Einsatz in Madagaskar
Meine Famulatur führte mich für vier aufregende Wochen nach Madagaskar, eine Erfahrung, die nicht nur mein fachliches Wissen erweitert, sondern auch meine persönliche Perspektive tiefgreifend verändert hat. Die Reise begann mit einem zehnstündigen Flug über Paris, der trotz seiner Dauer durch die Vorfreude auf das bevorstehende Abenteuer und die Begegnungen, die vor mir lagen, wie im Flug verging. Angekommen in „Tana“ wurden wir erstmal von übereifrigen Kofferträgern begrüßt, die uns die Koffer förmlich aus der Hand rissen und im Anschluss ein großzügiges Trinkgeld verlangen. Im besten Fall also die Koffer sehr bestimmt bei sich halten 😊.
Ankunft und die ersten zwei Wochen bei Soltec
Nach der Ankunft in Madagaskar und einem kurzen Eingewöhnungstag startete mein Einsatz bei Soltec, einer lokalen Ausbildungsstätte, wo wir die Auszubildenden und Angestellten mit Füllungen und Extraktionen versorgt habe. Liebevoll wurden wir während der Zeit von den Azubis mit tollen Mahlzeiten und Desserts bekocht und es gab auch durch die deutsch-madagassische Kooperation des Vereins viele deutsche Klassiker, wie Kartoffelsalat oder Schnitzel.
Die Arbeit bei Soltec war intensiv und lehrreich. Täglich wurden wir mit einer Vielzahl von Fällen konfrontiert, die von Routineuntersuchungen bis hin zu komplexen zahnchirurgischen Eingriffen reichten. Die Herausforderungen waren dabei vielfältig und reichten von der Überwindung sprachlicher Barrieren bis hin zur Anpassung an die lokalen Gegebenheiten und Ressourcen (nur eine Absaugung, kein Röntgen etc.). Trotz dieser Herausforderungen war die Arbeit ungemein erfüllend. Die Dankbarkeit der Patienten und das Wissen, einen Beitrag zur Verbesserung ihrer Lebensqualität geleistet zu haben, waren eine ständige Quelle der Motivation. Außerdem war durch das regelmäßige Engagement von planet action erfreulicherweise manchmal nur eine Prophylaxe und Zahnreinigung bei einigen Patienten notwendig.
Die letzten zwei Wochen bei ONG Manda
Die zweite Hälfte meiner Famulatur verbrachte ich bei ONG Manda, einer Organisation, die eine schulische Ausbildung für bedürftige und obdachlose Kinder in Antananarivo anbietet. Die Arbeit hier unterschied sich deutlich von meiner Zeit bei Soltec, da der Fokus stark auf präventiven Maßnahmen und der Behandlung von Kindern lag, obwohl auch dort leider viele bleibende Zähne nicht erhaltungswürdig waren.
Die Erfahrungen bei Manda waren tiefgreifend und emotional. Viele der Kinder, mit denen wir arbeiteten, hatten wenig zahnärztliche Betreuung erhalten und litten unter erheblichen Zahnschäden. Die Dankbarkeit und das unbeschwerte Lachen der Kinder nach einer erfolgreichen Behandlung waren unbeschreiblich berührend und haben mir die enorme Bedeutung unserer Arbeit vor Augen geführt. Das größte Highlight für die Kids war aber das Verteilen von Luftballons, von denen sie nicht genug bekommen konnten. Selten habe ich so viele glückliche Kinderaugen gesehen, wie als wir die Ballontüte geöffnet haben. Kleinere Konkurrenzen um die Sammlung von Ballons konnten auch schnell gelöst werden und der Jubel bei jedem geplatzten Ballon war wirklich herzerwärmend. Ich werde dieses Erlebnis mit Sicherheit für immer gern erinnern und mir auch bewusst machen, wie wenig es manchmal braucht, um ein bisschen Freude zu verteilen.
Neben der direkten Patientenversorgung waren wir auch in Aufklärungsprogramme involviert, die das Bewusstsein für Mundhygiene und präventive Maßnahmen fördern sollten. An der Tagesordnung waren Zahnputzdemonstrationen und auch individuelle Prophylaxe, sowie das Geschenk von Zahnbürste und Pasta für jeden Patienten.
Fazit
Meine vier Wochen in Madagaskar waren eine außergewöhnliche Zeit, die mich sowohl beruflich als auch persönlich bereichert hat. Die Erfahrungen, die ich bei Soltec und ONG Manda sammeln durfte, haben mein Verständnis für die globalen Herausforderungen im Gesundheitswesen vertieft und meine Leidenschaft für die zahnmedizinische Versorgung gestärkt. Ich kehre zurück mit einem Koffer voller unvergesslicher Erinnerungen, neuer Freundschaften und der tiefen Überzeugung, dass unsere Arbeit einen wirklichen Unterschied im Leben anderer Menschen machen kann. Auch das Land im Rückblick bietet viele wunderschöne Möglichkeiten des Entdeckens, insbesondere die einmalige Natur und Tierwelt bietet sehr viel. Trotzdem sind die Reisen mit dem Auto beschwerlich und lang, und auch die körperlichen Folgen der Ernährung und Malariaprophylaxe sollte man nicht unterschätzen. Alles in allem würde ich die Reise jederzeit wiederholen und hoffe auch viele weitere ehrenamtliche Einsätze in meiner Zukunft.
