Von: Laura Kümmeth, Bonita Große-Lohmann (Uni Jena)
Organisation: Zahnärzte helfen e.V
Zeitraum: 21.08.19 -03.10.19
Frisch nach dem Examen und kurz vor dem Ernst des Lebens wollten wir eine ganz neue Erfahrung machen. Andere Kommilitonen, die schon Famulaturen im Studium absolvierten, motivierten uns an diesem Ziel festzuhalten.
Für uns stand schnell fest, dass das Land in dem wir arbeiten wollten nicht zu heiß sein darf. Wir lieben beide mäßige Temperaturen. Außerdem reizte es uns neue Kulturen kennen lernen zu dürfen. Daher ließ sich das Zielland schnell festlegen. Es sollte nach Peru gehen.
Der Kontakt mit dem Vorstand des Vereines „Zahnärzte helfen e.V.“ Norbert Reiß war sehr schnell über einen Email-Verkehr geknüpft. Ca. ein Jahr vor Abflug erhielten wir die Zusage. Damit konnte unsere Planung langsam beginnen.
Ungefähr ein halbes Jahr vorher haben wir uns über Flüge informiert. Endziel unserer Flugreise sollte Cusco sein, die Hauptstadt der Inkas. Unsere Flugroute sollte ursprünglich von Frankfurt Main über Madrid und Lima nach Cusco gehen. Diese Stadt liegt etwa 1-1,5 h Fahrtzeit von Urubamba, unserem Wohnort für die nächsten vier Wochen, entfernt. Für den Hin- und Rückflug mussten wir mit ca. 880 Euro rechnen.
Weiterhin informierten wir uns über notwendige Impfungen. Es liegt keine Impfpflicht für Urubamba vor. Der Verein „Zahnärzte helfen e.V.“ empfiehlt Impfungen gegen Tollwut und Typhus. Außerdem rät er eine Impfung gegen Gelbfieber, sofern das eigentliche Einsatzgebiet in den Anden verlassen wird und ein Ausflug in tiefere Lagen geplant ist. Wir haben mit den Impfungen ca. ein halbes Jahr vorher begonnen.
Während des Staatsexamens blieb nicht viel Zeit für die Vorbereitung nach Peru übrig. Aber jedes Treffen mit meiner Kommilitonin lenkte uns ein wenig vom Lernstress ab und wir träumten schon von den ersten Stunden in Peru. Bei diesen Treffen formulierten wir beispielsweise Texte für Spendenanfragen. Da es eine Liste auf der Internetseite von „Zahnärzte helfen e.V.“ gibt, in der Materialen aufgelistet sind, die im Moment benötigt werden, beschränkte sich unsere Spendenanfrage auf Firmen, die diese Produkte auch vermarkten. An dieser Stelle möchten wir uns auch bei Firmen bedanken, die zügig antworteten und auch großzügig Spenden per Post zu uns kommen ließen: Hahnenkratt, Septodont und Alpro-Medical.
Dort angekommen empfiehlt es sich ein Taxi bis nach Urubamba zu nehmen. Dafür bezahlten wir 110 Soles. Das Taxi lieferte uns fast direkt vor die Haustür einer Privatunterkunft ab. Diese hat Herr Dr. Reiß schon im Vorfeld für uns organisiert. Hier werden in der Regel die freiwilligen Zahnärzte untergebracht. Diese Unterkunft ist wirklich sehr schön. Sie ist mit einer riesigen Küche, mit einem Bad und einem tollen Balkon ausgestattet.
Die Vermieterin spricht zwar kein Englisch, ist aber dennoch sehr bemüht die Wünsche der Zahnärzte zu erfüllen. Am Tag unserer Ankunft wurden wir auch schon herzlich von den Zahnärzten in Empfang genommen, die schon vor Ort waren. Diese zeigten uns am ersten Abend die kleine Stadt Urubamba mit dem Hauptplatz und dem großen Markt. Dann hieß es aber ganz schnell, ab ins Bett und Licht aus.
Am nächsten Morgen erhielten wir von Brithz, der Zahnärztin vor Ort, eine kurze Einweisung und dann hieß es schnell ran ans Behandeln. Die Organisation vor Ort heißt „Corazones para Peru“ und arbeitet sehr eng mit dem Verein „Zahnärzte helfen e.V.“ zusammen.
Diese Organisation startet immer wieder Kampagnen unter- schiedlicher Länge an verschiedenen Orten im engeren und weiteren Umkreis von Urubamba. Als wir ankamen, hatte gerade eine Kampagne im Nachbarort Yucay begonnen. Hier konnten wir für die nächsten Wochen selbstständig Füllungen legen, Zahnreinigungen durchführen, Zähne fluoridieren und natürlich auch Zähne ziehen. Endodontische Behandlungen konnten wir leider nicht durchführen, weil kein Röntgengerät zur Verfügung stand.
Trotzdem hatten wir alle Hände voll zu tun und arbeiteten jeden Tag von 8:15 Uhr bis etwa 14 Uhr (oder länger) am Stück. Pause gab es erst nach der Arbeit. So konnten wir im Schnitt zu zweit etwa 30-40 Patienten am Tag behandeln.
Der Zustand der Zähne ist katastrophal. Das hohe Zuckerangebot und die zu geringe Aufklärung führen vor allem im Milchgebiss zu extraktionswürdigen Zähnen. Aber auch die Zähne der älteren Generationen sind von Karies betroffen, sodass sich das Patientenspektrum von Kleinkind bis Senior erstreckte.
Während des Arbeitstages wurden wir meistens von einem der Freiwilligen des Ver- eines „Corazones para Peru“ unterstützt. Sie halfen uns beim Reinigen der Instrumente, aber insbesondere unterstützten sie uns beim Kommunizieren bzw. beim Übersetzen der Patientenantworten und -fragen. Die Freiwilligen arbeiten als FSJ´ler ein ganzes Jahr im Projekt „Corazones para Peru“ und können meistens gut Spanisch sprechen. Das heißt, ihr müsst kein Spanisch sprechen, aber es hilft euch unglaublich weiter, wenn ihr es trotzdem könnt.
Zweimal in der Woche dürfen zwei Zahnärzte Brithz nach Huilloc begleiten. Das sehr traditionell geprägte Bergdorf liegt etwa eine halbe Stunde Autofahrt von Ollantaytambo, der nächsten größeren Stadt, mitten in den Anden. Hier gibt es eine Gesundheitsstation mit einem eigenen Behandlungsstuhl. Die Ausstattung ist etwas moderner und auch Wurzelkanalbehandlungen sind hier theoretisch möglich.
Insgesamt geht es in dem kleinen Dorf etwas ruhiger zu, weil das Patientenaufkommen geringer ist und die Patienten in der Regel durch die Gesundheitsstation eine gute Grundversorgung genießen. Des Öfteren werden daher auch Patienten aus Urubamba mit nach Huilloc genommen, um diese dort zu behandeln.
Während unserer Famulatur gab es auch eine Ein-Tages-Kampagne in dem kleinen Dorf Accomayo, etwa drei Autostunden von Urubamba entfernt. Diese Kampagne wurde vom peruanischen Militär organisiert. Ganz herzlich wurden wir von diesem empfangen und erhielten neben dem typischen Frühstück auch ein leckeres Mittagessen.
An diesem Tag waren wir mit fünf Zahnärzten (wir Zwei, zwei weitere Zahn-ärzte aus Deutschland und Brithz) und zwei Freiwilligen vor Ort und hatten alle Hän-de voll zu tun. Uns wurde von dem Patienten berichtet, dass keine zahnärztliche Versorgung im Umkreis stattfände. Daher tat es uns sehr leid, dass wir auf Grund des hohen Patientenaufkommens nur einen Zahn pro Patient behandeln konnten.
Wenn fünf Zahnärzte parallel behandelten und nur ein Behandlungsstuhl zur Verfügung stand, kann man sich vorstellen, dass ein Großteil der Behandlungen auf Plastikstühlen erfolgen musste und man auf dem eigentlichen Behandlungsstuhl nur bohren konnte.
In unserer letzten Woche starteten wir noch eine neue Kampagne in Palccaraqui, einem kleinen Dorf in der Nähe von Urubamba. Hier arbeiteten wir ebenfalls von 8:15 Uhr bis 14:00 Uhr. Auch hier standen Füllungen und Extraktionen im Vordergrund.
Insgesamt hat uns diese Famulatur sehr viel Spaß gemacht. Wir haben sehr viel gelernt, sowohl fachlich als auch menschlich. Wir hatten die Famulatur nach unserem Studium durchgeführt und würden das auch jede Zeit wieder so machen. Der Grund dafür liegt in dem selbständigen Behandeln. Inwiefern man als Student selbstständig behandeln darf, solltet ihr ggf. vorher abklären.
Neben dem ganzen Arbeiten haben wir uns natürlich auch die Umgebung näher an-geschaut.
Es gibt in der Nähe einige Ruinen, die ihr locker am Nachmittag besuchen könnt. Dazu gehört z.b Morray, Pisac und Ollantaytambo. Außerdem sind beispiels-weise auch die Salsineras ganz nah.
Aber es bieten sich auch eine Vielzahl von Wanderung an und sind eine prima Gelegenheit die Landschaft außerhalb des Tourismus näher kennen zu lernen. Zum Beispiel kann man von Tauca nach Lamay wunderbar einsam wandern oder man läuft in vielen Stunden zum nächsten Gletscher, dem Chicón, und wieder zurück. Und natürlich durfte auf unserer Reise Machu Picchu auch nicht fehlen.
Habt ihr Lust, dann zögert nicht lange und schreibt eine E-Mail an Dr. Reiß von
„Zahnärzte helfen e.V.“.
