Von: Yvonne Plückebaum und Amy Seidel (Universität Hannover)
Organisation: Mabuhay-St. Francis of Assisi Primary Health Care
Zeitraum: 11.01.20 – 09.02.20
Famulatur auf den Philippinen – mit den geduldigsten und freundlichsten Patienten, die man sich vorstellen kann.
Unsere Vorbereitungen begannen ein Jahr im Voraus. Wir hatten die Mabuhay Saint Francis of Assisi Clinic in Bugko in den begeisterten ZAD Berichten entdeckt und setzten uns sofort mit Dr. Lindner in Verbindung. Kurz darauf erhielten wir die Zusage von Schwester Sabine. Sie hatte 2007 zusammen mit der philippinischen Schwester Veronica die Klinik gegründet und lebt seitdem in Bugko, einem kleinen Dorf in Mondragon auf der Insel Samar auf den Philippinen. Das restliche Jahr über verbrachten wir mit Impfungen (Tollwut und Hepatitis A) und lernen für unser Examen. Wir hatten uns entschieden, die Famulatur im Januar zu machen. Erst gegen Ende der Prüfungen im Oktober ging es richtig los mit den Reiseplänen: Flüge buchen, Firmen für Spenden anschreiben, Visum besorgen und Reiseroute planen. Dr. Lindner versorgte uns hierfür mit perfekten Schritt-für-Schritt-Anleitungen und Informationen.
Wir hatten uns entschieden, zunächst zwei Tage in Manila zu bleiben und dann nach Clark zu fahren. Von dort gehen die Flüge nach Catarman, wo Schwester Sabine uns abholte. Schwester Veronica hatte in der Zeit ein leckeres Frühstück vorbereitet und nahm uns herzlich in Empfang. An diesem ersten Wochenende hatten wir Zeit uns einzuleben. Die Schwestern integrierten uns in ihren Alltag, zeigten uns das 3 Hektar große Klinikgelände (zu welchem die Klinik, eine Kräuterstation, ein eigenes Laboratorium, ein Innen- und Außenspielplatz für die Kinder, Basketballplatz für die Jugendlichen, Versammlungshalle für die Senioren, Pool für Schwimmunterricht, Schweine, Hühner und viele Pflanzen sowie Häuser für Gäste und Arbeiter und natürlich die Zahnstation gehören). Sonntags hatten wir die Möglichkeit an der Heiligen Messe in der Kirche in Bugko teilzunehmen. Da die Filipinos sehr gläubig sind, trifft sich hier jede Woche das ganze Dorf. Am Abend wurden wir direkt zu einem 70. Geburtstag eingeladen, bei dem es natürlich auch Karaoke gab – die darf hier bei keiner Feier fehlen! Untergebracht waren wir in einer tiptop ausgestatteten Wohnung (Klimaanlage, Wasserspender, Sofa, Bad) mit Balkon und Blick in die Palmen. Der Handyempfang mit dem Anbieter Globe war eher dürftig, aber Smart funktioniert wohl besser. Sim-Karten kann man in jeder größeren Stadt in einer Mall kaufen.
Die Dental Clinic hat zwei Behandlungsräume und ist ebenfalls bestens ausgerüstet. Montags war es dann endlich soweit. Unsere ersten Patienten hatten die Schwestern bereits eingeladen. Maria und Begit, zwei freiwillige Assistentinnen, standen uns zur Seite und halfen bei der Übersetzung und Reinigung der Instrumente. Sie entpuppten sich auch als gute Waray-Waray Lehrer (Dialekt auf Samar), sodass wir uns immer besser mit den Patienten verständigen konnten. Eine typische Unterhaltung sah ungefähr so aus: „Guten Morgen! Setzen Sie sich. Schmerzen? Keine? Erst einmal Check-up. Zahn muss gezogen werden. Wir machen eine Anästhesie. Mund ausspülen. Ist es schon taub? Gut gemacht!“ Ein großes Problem auf den Philippinen ist der Zucker. Er ist quasi in allen Lebensmitteln vorhanden, wird sogar bereits süßen Fruchtsäften zugesetzt. Dazu kommt, dass quasi kein Prophylaxesystem vorhanden ist (die Schwestern etablieren allerdings für die Schulkinder gerade ein Fluoridprogramm). Die Patienten kommen somit leider oft erst, wenn es bereits zu spät ist. So mussten wir schwerenherzens Jugendlichen und Kindern schon die 6er ziehen. Konnte man noch Füllungen legen, waren diese zumeist in der Front oder auch okklusal. Endodontische Behandlung sind nicht möglich, da derzeit kein zahnärztliches Röntgengerät vorhanden ist. Das soll sich aber in nächster Zeit ändern. Unser jüngster Patient war 18 Monate, unsere ältesten Patienten um die 80 Jahre alt. Alle, egal welchen Alters, waren unglaublich lieb, geduldig und sehr dankbar. Behandelt wird an 4 Tagen in der Woche: Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 8 Uhr bis der letzte Patient fertig ist (bei uns war das meistens zwischen 15 und 17 Uhr).
Nach Feierabend lässt sich gut der Strand bei Bugko erreichen oder man kann im klinikeigenen Pool entspannen. Dieser wurde durch Spenden finanziert, um den Kindern das Schwimmen beizubringen. Sonntags nahmen wir an der Heiligen Messe teil. Ein ganz besonderes Erlebnis für uns war das Santo Niño Fest, dass immer am 3. Sonntag im Januar gefeiert wird. Die Filipinos feiern mit Prozession und Tanz die Christanisierung der Philippinen. Es ist ein Meer aus roter T-Shirts und roten Luftballons der Kinder. An den freien Tagen unternahmen wir eigenständig Tagesausflüge in die Umgebung: Catarman, White Beach der Universität in Catarman, Onay Beach auf Laoang. Egal wo wir hinkamen, wurden wir immer herzlich von den Filipinos zum Essen eingeladen und es wurden natürlich viele Fotos mit uns gemacht. Auf Laoang pflückte uns ein Filipino sogar eine frische Kokosnuss direkt vom Baum. Auch in der Klinik wird man sehr gut verpflegt. Morgens gab es ein annähernd deutsches Frühstück mit Toast, Kaffee und Obst. Schnell hatten die Schwestern gemerkt, wie sehr wir die philippinischen Mangos lieben und hatten sie immer auf Vorrat für uns. Mittags und abends gab es Gemüse, wenn man wollte Fleisch oder Ei und natürlich Reis sowie eigentlich ohne Ausnahme einen Nachtisch. Kost und Logie sind für approbierte Zahnärzte umsonst. Auch die Wäsche wird von den Freiwilligen gewaschen. Insgesamt taucht man tief ein in das philippinische Leben und bekommt einen Einblick in ihren Alltag.
Wir danken ganz herzlich unseren Sponsoren der Praxis Dr. Kielmann, Dr. Klaus & Partner, Septodont, Voco, Komet und Henry Schein. Es war so eine schöne Zeit in Bugko. Wir hätten uns keinen besseren Start ins Berufsleben vorstellen können!
Wenn ihr Fragen habt, schreibt uns gerne an: y.ami@web.de
Wir können diese Famulatur jedem herzlich empfehlen.
