Von: Rachel Margardt und Rebecca Scherbaum (Uni Jena)
Organisation: Ministry of Health Nuku’Alofa Tonga
Zeitraum: 26.02.2020 – 18.04.2020
Ihr wollt der trüben Winterstimmung in Deutschland entfliehen und gleichzeitig noch eure zahnmedizinischen Skills verbessern? – Dann ist eine Famulatur auf Tonga genau das Richtige für Euch!
Wir- Rebecca & Rachel- studieren an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena und sind vor über einem Jahr auf die Idee gekommen, eine Famulatur im Königreich Tonga zu machen. Denn wer fliegt nicht gern an einen Ort mit türkisblauem Wasser, weißen Stränden und gaaanz viel Sonne?
Also nahmen wir Kontakt mit Dr. Amanaki auf, welcher uns innerhalb kurzer Zeit eine Zusage für die Famulatur im Frühjahr 2020 erteilte. Da wir sowohl aus höheren Semestern als auch aus den Famulaturberichten wussten, dass immer Spenden benötigt werden, begannen wir gleich damit verschiedene Dentalfirmen zu kontaktieren. Es wurde uns eine große Menge an Spenden zugesandt, was allerdings eine Herausforderung bürgte. Denn wie soll man all die Spendengüter in den Koffer bekommen? Nach reichlicher Überlegung entschlossen wir uns dazu ein 15 kg Paket über DHL loszuschicken. Dies können wir euch jedoch nicht empfehlen, da das Paket immer noch irgendwo in der Welt rumschwirrt und nach wie vor nicht auf Tongatapu ankam. Trotz des Pakets hatten wir jeder noch ca. 8 kg Materialen in unseren Koffern verstaut. Demzufolge mussten wir uns ganz genau überlegen, welches Kleidungsstück wir mitnehmen konnten und welches zu viel war.
Die Freude über unsere „Mitbringsel“ war dennoch sehr groß und wir waren sehr froh ein klein wenig helfen zu können. Besonders benötigt werden Anästhetika (Lidocain, Articain etc.), Spritzen, Extraktionszangen, Endo-Materialien, Komposit, Handschuhe, Mundschutze, Desinfektionsmittel und (Einmal-)Zahnbürsten (für das Mali-Mali-Projekt).
An dieser Stelle möchten wir uns ganz herzlich bei den unterstützenden Unternehmen bedanken, welche es uns erst ermöglicht haben auf Tonga eine Hilfe zu sein!
Aesculap, VDW, Ivoclar Vivadent, M+W Dental, DMG, Heraeus Kultzer, Dürr Dental, 3M Deutschland, Voco, Sunstar, Hu-Friedy, Dr. Jean Bausch Dental, Septodont, Jovident, Gebr. Brasseler/ Komet Dental, Zahnfabrik Bad Nauheim, Resorba, Dentsply, Omnident, 7days
Parallel zur Spendensammlung haben wir uns um unsere Unterkunft und unsere Flüge gekümmert. Dabei haben wir uns erst einmal für die Tropical Villa als „neues Heim“ entschieden, welche wir über Expedia gebucht haben. Um weitere Unterkünfte kümmerten wir uns dann direkt vor Ort. Unsere Flüge haben wir über CheapTickets und Opodo gebucht. Der Preis für Frankfurt nach Sydney und zurück betrug dabei ca. 760€/P, der Flug von Sydney nach Tonga kostete dann nochmal ca. 180 €/P. Unsere Reise startete am 26. Februar von Frankfurt über Doha nach Sydney. Dort angekommen wohnten wir für 3 Tage in einem AriBnB und erkundeten die Stadt.
Als wir dann von Sydney aus weiter nach Tongatapu fliegen wollten stellte uns die Reise vor die erste Katastrophe: Die Frauen am Schalter von FijiAirways, wollten uns nicht einchecken lassen, da man aufgrund des anbahnenden Corona-Virus eine sogenannte „Medical Clearance“ benötigte, welche nicht älter als drei Tage sein durfte. Unsere war nun schon 4 Tage alt und es bestand keine Chance die Damen zu überzeugen. Also mussten wir umbuchen und uns Hals über Kopf ein Hotel suchen, in welchem wir weitere 2 Nächte unterkamen. Um unserem Ärger zu trotzen beschlossen wir am Abend in einer Bar am Hafen ein Bier zu trinken, sodass alles nur noch halb so schlimm war.
Am darauffolgenden Tag (Sonntag!) mussten wir dann mit einem Mitleidenden einen Arzt aufsuchen, der uns erneut eine Medical Clearance ausstellte, welche bestätigte, dass wir keine Symptome des Corona-Virus aufweisen. Nachdem wir dies erledigt hatten und weitere 80 AUD ärmer waren, fuhren wir erstmal an den Bondi Beach und genossen das schöne Wetter bei einem Corona Bier. 😀
Erneut am Flughafen durften wir dann endlich einchecken. Da kein Direktflug mehr verfügbar war, mussten wir nun noch eine Nacht auf Fiji übernachten. An sich ist es sehr schön dort, allerdings wurde aus unserem Zimmer Bargeld und unsere Musikbox gestohlen und zudem auch noch Kreditkartendaten entwendet. Das alles geschah während wir in der Hotelbar saßen- die zweite Katastrophe war komplett. Passt also immer gut auf eure Sachen auf!
Am nächsten Tag ging es nun endlich nach Tongatapu. Rückblickend würden wir Euch die Airline FijiAirways auf keinen Fall empfehlen, da wir auch im weiteren Verlauf nur Ärger mit dieser hatten!
Unsere Zeit auf Tongatapu:
Die erste Zeit der Famulatur verbrachten wir auf der Hauptinsel Tongatapu. Wir waren uns vorab gar nicht so sicher, welche Unterkunft wir buchen sollten. Die ganzen vorherigen Famulanten empfahlen uns die „Dayspring Lodge“, die auch wirklich gut zu sein scheint und sehr nahe am Vaiola Krankenhaus ist. Wir entschieden uns jedoch, wie eben schon erwähnt, für die „Tropical Villa“. Geführt wird diese Unterkunft von Angelo und Melissa. Die beiden sind wirklich super nett und hilfsbereit. Wir haben nur knapp 30€ (zu zweit) pro Nacht bezahlt und hatten ein eigenes Apartment mit Küche, Bad und Schlaf-/ Wohnzimmer. Zudem hatte die Unterkunft auch einen Pool und einen sehr großen Garten. Da die Unterkunft nicht direkt im Zentrum ist und auch nicht ganz so nahe am Krankenhaus, entschieden wir uns dazu, ein Auto zu mieten. Auch das war bei Angelo und Melissa möglich. Sie besorgten die Führerscheine für uns (100 TOP für 2 Personen). Für das Auto zahlten wir 40TOP pro Tag, was wirklich ein sehr gutes Angebot ist. Außerdem wurden wir kostenlos vom Flughafen abgeholt.
Da wir jedoch direkt an einer Hauptstraße gewohnt haben und es nachts ziemlich laut war, boten uns die Vermieter an für den gleichen Preis in ihr Hotel „Little Italy“ zu ziehen. Auch dort hatten wir eine eigene Küche und ein eigenes Bad. Das Highlight dieser Unterkunft war der Balkon mit Blick aufs Meer und das italienische Restaurant, was dazu gehört hat.
Die Arbeit auf Tongatapu:
Nach einem Abend der Eingewöhnung, begann am nächsten Tag unsere Arbeit im Vaiola Hospital. Dr. Amanaki begrüßte uns sehr freundlich, zeigte uns alles und stellte uns die Belegschaft vor. Behandelt wird auf der Hauptinsel in verschiedenen „Boxen“. Diese sind abgetrennte und nummerierte Bereiche, in denen jeweils ein Patientenstuhl steht. Manche Boxen sind auch nur für bestimmte Therapieschritte ausgelegt. So finden in der Box 8 beispielsweise ausschließlich Extraktionen statt. Wir verbrachten die restliche Zeit des Tages damit, den Ärzten über die Schulter zu schauen, um erst einmal die Abläufe kennenzulernen. Am nächsten Tag ging es dann direkt mit dem selbstständigen Behandeln los.
Während der ganzen Zeit auf Tonga haben wir ausschließlich extrahiert. Der Ablauf war so, dass man über das Telefon an der Rezeption anrief und die Schwestern dann einen Patienten zu uns schickten. Dieser teilte uns dann den Grund seines Besuches mit. Oftmals legten wir den Patienten konservierende Methoden zur Zahnerhaltung dar. Viele von Ihnen wollten dennoch auf eigenen Wunsch eine Extraktion, da die sofortige Schmerzbeseitigung für sie an erster Stelle stand. Also anästhesierten wir, holten während der Einwirkzeit die passenden Zangen und dann ging es auch schon los. Nachdem der Zahn raus war wurden lediglich Wattepads auf die Wunde gedrückt und der Patient nach Hause geschickt, genäht wurde hingegen während unseres Aufenthalts kein einziges Mal. Ihr braucht Euch keine Sorgen machen, falls ihr mal einen Zahn nicht rausbekommt oder Wurzelreste übrigbleiben. Es gibt immer einen Arzt, der einem mit Rat und Tat zur Seite steht. Außerdem gibt es auch mit der Sprache kaum Probleme. Die meisten Patienten können ein bisschen Englisch und wenn jemand Mal gar kein Englisch kann, steht einem immer eine Schwester zur Seite, die übersetzt. Die wichtigesten Wörter auf Tongaisch sind aber nach wenigen Tagen drinnen (Mamahi – Schmerz).
Zusätzlich zum Behandlungsalltag bestand die Möglichkeit am Mali-Mali-Projekt teilzunehmen. Dabei fährt man von Schule zu Schule und bringt den Kindern die richtigen Zahnputztechniken bei. Beim Anblick des gemeinsamen „Gruppen-Zähneputzens“ geht einem wirklich das Herz auf!
Freizeit:
Unser Lieblingsstrand war ganz im Westen der Insel, der Ha’atafu Beach. Mit dem Auto ist er nach ca. 20 min zu erreichen. Er ist im Vergleich zu den anderen Stränden sehr weitläufig und man kann relativ tief ins Wasser gehen. Dieser Strand war immer leer.
Ein weiterer toller Strand, den man vom Zentrum aus am besten erreichen kann, ist der Keleti Beach. Dort kommt man mit dem Taxi für ca. 20 TOP pro Strecke hin. Da der Strand zu einem Resort gehört, zahlt man noch 2 TOP Eintritt.
Ansonsten ist es nur zu empfehlen mit dem Auto eine Fahrt über die ganze Insel zu machen. Es gibt so schöne Stops, die man mit den Bussen nur schlecht erreichen kann.
Sehr sehenswert sind die Blowholes, welche durch an Steinen abprallende Wellen entstehen, aber auch die Natural Landing Bridge sollte man nicht missen. Dort hat man einen wunderschönen Ausblick über die Klippen und wenn man durch ein kurzes, aber sehr steiles Waldstück geht, findet man den atemberaubendsten Strand überhaupt. Auch die Anahulu Caves sind sehenswert. Das ist eine Tropfsteinhöhle mit einem See am Ende, in dem man sich abkühlen kann. Außerdem kann man im Norden der Insel, wenn das Wasserlevel niedrig ist, fishing pigs sehen. Ein weiterer Spot der Insel ist die 3 headed coconut.
Die Stadt Nuku’alofa selbst ist ziemlich klein und auch in den Supermärkten findet man ganz andere Sachen als bei uns. Jedoch gibt es einen sehr schönen Markt, den Talamahu Market, auf welchem es sehr leckeres und frisches Obst und Gemüse gibt. Wir haben wirklich oft gekocht und dort unsere Hauptnahrungsmittel gekauft.
Ansonsten ist der Molisi-Supermarkt im Zentrum ganz gut und außerhalb ist ein großer Supermarkt, der Costlow, welcher auch ein paar amerikanische Dinge verkauft.
Alkohol gibt es meist in gesonderten Läden, dabei ist z.B. der Sunshine-Liquor-Laden sehr zu empfehlen.
Man kann sich an einem freien Nachmittag auch Mal die Stadt anschauen, denn dort stehen wirklich schöne Gebäude und Kirchen.
Besonders gute Restaurants sind:
Gute Bars/ Plätze zum Feiern:
Tipps:
Ausflüge:
Um Tongatapu herum sind sehr schöne kleine Inseln, zu denen man an den freien Tagen einen Ausflug machen kann.
Eine wunderschöne Insel ist Pangaimotu, welche auch gleichzeitig die nächstgelegene Insel ist. Dort kann man für 80 TOP hinfahren und hat auch ein Mittagessen inklusive. Diese Insel ist toll um sich einfach nur zu sonnen und zu entspannen. Es steht ein verlassenes Schiffswrack in der Nähe, von dem man, ins Wasser springen kann. Außerdem eignet sich die Insel auch super zum schnorcheln.
Eine weitere tolle Insel ist Fafa-Island. Dort steht ein Resort, man kann aber auch Tagesausflüge dahin machen. Dieser ist mit knapp 100 TOP etwas teurer, aber es ist wirklich paradiesisch auf der Insel und auch dort ist Mittagessen inklusive.
Die dritte Insel, die man besuchen kann, ist Atata. Dies haben wir leider nicht mehr geschafft.
Unsere Zeit auf Vava’u:
Nach knapp 2 Wochen auf Tongatapu war es Zeit für uns weiterzuziehen. Also trieb es uns nach Vava’u. Es gibt die Möglichkeit mit der Fähre oder mit dem Flugzeug auf die nördliche Inselgruppe zu kommen. Wir haben überlegt mit der Fähre hinzufahren, was ca. 12-24h dauert. Es gibt zwei Redereien, die eine Fahrt anbieten, jedoch nur zwei Mal die Woche, was uns leider nicht gepasst hat. Außerdem war es sehr kompliziert an diese Informationen zu kommen. Also entschieden wir uns für einen Flug mit RealTonga. Dieser kostet ca. 140€/P mit 20 kg Freigepäck und flexibler Umbuchung. Am besten bucht man diesen vor Ort in einem RealTonga-Büro, da bekommt man nämlich bessere Konditionen.
Am Flughafen hat uns ein Mitarbeiter vom Krankenhaus abgeholt, was kostenlos war und wir dennoch direkt zu unserer Unterkunft gebracht wurden. Also am Besten im Krankenhaus Bescheid geben, wann man ankommt. 😉
Dort waren wir dann, wie von allen vorherigen Famulanten empfohlen, in der Unterkunft „Port Wine House“. Hier ist das Frühstück inklusive. Wir haben zu zweit 150 TOP pro Nacht gezahlt, was etwas teurer ist als die anderen Unterkünfte, jedoch war auch das sein Geld wert. Salote, die Besitzerin ist super lieb und hilfsbereit und arbeitet zudem auch als Dentist (Therapist) im Krankenhaus. Von der Unterkunft aus ist man nach knapp 10 min Fußweg am Krankenhaus, es geht allerdings einen kleinen Berg hinauf. Aber deswegen mieteten wir uns diesmal auch kein Auto.
Auch das Zentrum Neiafu ist nicht weit entfernt und es gibt gute Restaurants dort. Zu empfehlen ist das Bellavista Café.
Die Arbeit Auf Vava’u:
Am nächsten Morgen, in der Klinik angekommen begrüßte uns Mele, die zuständige und auch einzige Zahnärztin dort. Die Klinik umfasste lediglich einen Behandlungsraum, in welchem 3 Stühle standen. Einer davon war nicht einsatzfähig, der zweite wurde ausschließlich für Extraktionen genutzt und der dritte für alle weiteren Therapien. Die Stimmung auf Vava’u war super. Mele und Salote sind super herzlich, unterstützen einen und man kann viel lachen. Man fühlt sich direkt gut aufgehoben und sehr wohl- so macht arbeiten Spaß. Sehr interessant war, dass Mele im 9. Monat schwanger war und trotzdem die einzige behandelnde Zahnärztin dort ist, denn Salote hat immer das MaliMali-Programm begleitet. Auch gab es nur einen „Zahnarzthelfer“ Will, der eigentlich nur für die Technik zuständig war, jedoch so ziemlich als Mann für alles das Team tatkräftig unterstütze. Das Team ist also wirklich sehr sehr klein, aber so etwas herzliches haben wir nirgendwo sonst erlebt.
Die technische Ausstattung auf Vava’u ist jedoch deutlich schlechter als auf der Hauptinsel Tongatapu, so steht zum Beispiel das Röntgengerät mitten im Raum. Nehmt also UNBEDINGT Spenden mit auf die kleineren Inseln und gebt nicht alles auf der Hauptinsel an Dr. Amanaki. Er sagt zwar, dass man ihm alles geben soll und er dann das Nötige auf die kleineren Inseln verschickt, dies funktioniert in der Praxis aber eher schlecht. Auch auf Vava’u werden in erster Linie unbedingt Lokalanästhetika, Extraktionszangen (!) und Füllungsmaterialien, wie Komposit benötigt.
Leider wurde unsere Zeit auf Vava’u schnell beendet, nachdem wir nach ein paar Tagen nachts davon erfuhren, dass Neuseeland und Australien die Grenzen aufgrund des Corona Virus schließen wollen. Daher verließen wir in einer Nacht- und Nebelaktion die Unterkunft, buchten uns den nächstmöglichen Flug auf die Hauptinsel zurück und versuchten noch rechtzeitig von dort wegzukommen.
Dementsprechend haben wir außer Neiafu und das Krankenhaus kaum etwas von der Insel gesehen, was wirklich schade ist, da man dort wohl toll schnorcheln kann.
Unsere überstürzte Abreise und die Probleme mit dem neuartigen Corona-Virus:
Zurück auf Tongatapu war der gesamte Aufenthalt unvorhersehbar und spontan. Denn innerhalb von einer Nacht machten alle Grenzen der Nachbarländer zu, also Neuseeland, Australien und Fiji. Den Letzten Flieger aus Tonga raus, durften wir leider nicht nehmen, denn dieser war für die Einheimischen reserviert, die Tonga noch verlassen wollten. Also buchten wir uns eine Unterkunft, die wir von Nacht zu Nacht verlängerten, um so abflugbereit wie möglich zu sein, falls sich etwas an den Regeln ändern sollte. Diese Unterkunft war die „Malau Lodge“. Das Haus ist direkt im Zentrum, was für uns sehr wichtig war, da wir uns kein Auto mehr mieten wollten, denn wir wussten ja nicht, wie lange wir noch auf Tonga feststecken würden. Dennoch war man in 5-10min überall, besonders auch in der Nähe der Büros der Airlines. Die Malau Lodge ist wirklich sehr zu empfehlen. Wir hatten ein Zimmer mit einem geteilten Bad. In der Unterkunft gab es zwei Gemeinschaftsküchen, ein Gemeinschaftswohnzimmer, einen Balkon, eine Terrasse und nachts sogar Security. Da wir die gesamte Zeit nur zu zweit in der Unterkunft waren, konnten wir alles alleine benutzen, was wirklich toll war. Die Besitzerin Fiona ist eine total Liebe, die sich sehr gut um uns zwei Gestrandeten gekümmert hat. Zu Beginn haben wir 90 TOP pro Nacht mit Frühstück bezahlt, was aber Nacht von Nacht günstiger wurde, sodass wir am Ende (nach ca. 4 Wochen) nur noch 60 TOP gezahlt haben.
In den ersten Tagen hatten wir vor allem damit zu tun, alles Bürokratische zu klären, also wann geht der nächste Flug? Wie kommen wir hier raus? Kontakt mit dem Honorarkonsul, der Botschaft in Wellington und Canberra und dem Auswärtigen Amt aufnehmen… Nachdem wir allein aber leider nichts erreichen konnten, waren wir auf die Hilfe der Botschaft angewiesen, mit der wir tagtäglich in Kontakt standen. Schnell fanden wir auch Kontakt zu anderen Reisenden/ Famulanten/ Touristen auf Tongatapu, die ebenfalls feststeckten. Insgesamt waren wir um die 30 Europäer, davon 7 Deutsche. Unsere Unterkunft, die Malau Lodge, wurde sehr schnell zu einem Treffpunkt unter uns, wo wir Informationen über die Heimkehr austauschten. Nach dem ersten Schreck entschieden wir uns dazu wieder in das Vaiola Hospital arbeiten zu gehen, was leider nicht wirklich möglich war, denn die Patienten hatten zu große Angst vor dem Coronavirus und gingen deswegen kaum noch zum Zahnarzt.
Also verbrachten wir die Zeit viel am Strand, zumindest solange das noch möglich war. Denn leider kam nämlich nach circa einer Woche ein Lockdown, der noch krasser war als der in Deutschland. Man durfte das Haus überhaupt nicht mehr verlassen, nicht Mal mehr zum Spazierengehen. Überall gab es Schleußen und die Polizei hat jeden Schritt überwacht. Das Ganze passierte, obwohl es noch keinen einzigen Corona-Fall auf Tonga gab.
Zu diesen Problemen kam noch dazu, dass uns ein heftiger Zyklon erwartet hat. So etwas haben wir beide noch nie erlebt, aber das ist nicht untypisch in der Regenzeit auf Tonga. Dieser hat uns zwar kaum etwas angetan, hat aber den gesamten Westen der Insel Tongatapu zerstört und auch die kleineren Inseln wie z.B. Eua oder Fafa-Island. Andere Touristen hat es leider auch etwas mehr getroffen, 2 Deutsche haben z.B. ihre gesamten Sachen inklusive Pässe verloren.
Doch wie heißt es so schön, nach jedem Sturm kommt auch wieder Sonnenschein und so war es auch. Nach drei Wochen ohne jegliche Informationen bezüglich einer Rückholung, kam dann endlich die gute Nachricht, die Bundesregierung wird uns von Tonga abholen! Die letzten Tage vor dem Repatriierungsflug verbrachten wir nochmal des Öfteren am Strand, denn auch der Lockdown wurde etwas gelockert.
Der Rückflug dauerte dann ganze 50 Stunden, da wir noch Leute von Vanuatu abgeholt haben und über Brisbane, Sydney und Doha geflogen sind. Das haben wir aber sehr gerne in Kauf genommen, Hauptsache wir konnten zurück nach Hause. Dieser Flug war auch die Einzige und Letzte Möglichkeit raus aus Tonga, denn die Grenzen von Tonga sind noch immer geschlossen und sollen voraussichtlich auch nicht vor Dezember geöffnet werden. Auf Tonga gibt es bis heute zwar noch keinen einzigen Corona-Fall, jedoch haben die Bewohner sehr große Angst davor und befürchten, dass 20% der Bevölkerung daran sterben würde, denn die Gesundheit der Menschen vor Ort ist leider nicht ganz so gut (sehr viele Diabetes-Patienten und Hypertoniker).
Alles in Allem war unsere Famulatur eine regelrechte Achterbahnfahrt. Tonga ist ein wunderschönes Land und eine unfassbar tolle Inselgruppe. Die Menschen sind super nett, hilfsbereit und freundlich, sowas haben wir noch in keinem anderen Land erlebt. Eine Famulatur dort ist nur zu empfehlen und hoffentlich auch bald wieder ohne Probleme möglich.
