2020: Sri Lanka

2020: Sri Lanka

Von: Lena Peters, Sarah Karimi, Elena Guyenz (Uni Bonn)
Organisation: Sakuki Dental Hospital
Zeitraum: 07.02.20 – 08.03.20

Hapanna – (übersetzt: Einmal zubeißen bitte)

Das war das erste Wort, das wir von unserem betreuenden Arzt Dr. Samantha Kumara Kithalawaarachchi im Sakuki Dental Hospital in Kurunegala, gelernt haben. Danach folgten Mythen der Einheimischen über das Trema und Scaling.

Unsere Auslandsfamulatur ging über den Zipfel von Indien hinaus. Genauer gesagt ins wunderschöne Sri Lanka, in das kleine Städtchen Kurunegala.

Warum Sri Lanka?! Wir drei, Elena Sarah und ich hatten schon länger mit dem Gedanken gespielt eine Auslandsfamulatur zu unternehmen und mal über den Tellerrand zu blicken. Viele unserer Kommilitonen hatten zu diesem Zeitpunkt schon Erfahrungen im Ausland sammeln können. Unter all den von ihnen verfassten Berichten, haben uns die aus Sri Lanka am meisten überzeugt.

Planung:

So begann unsere Planung für unser Abenteuer nach Sri Lanka. Der Kontakt zu Samantha und seinem Sakuki Dental Hospital war sehr einfach per Mail hergestellt. Da die Famulaturplätze dort sehr begehrt und die Kapazität auf drei Personen limitiert ist, ist es empfehlenswert den Kontakt ein Jahr im Voraus aufzunehmen, mindestens ein halbes Jahr. Durch die zügige Zusage konnten wir uns zeitig um Flüge und die nötigen Impfungen kümmern.

Das Visum ist auf einer offiziellen Internetseite kostenlos zu erwerben und gilt für 30 Tage. Falls Bedarf einer Verlängerung besteht, muss dies kostenpflichtig bei einer Behörde in der Hauptstadt Colombo beantragt werden. Alle wichtigen Informationen zu den Impfungen findet ihr im Internet oder im Institut für Tropenmedizin. Viele Impfungen müssen mehrmals getätigt werden, sodass ihr möglichst früh damit anfangen solltet. Als Fluggesellschaft haben wir uns Emirates ausgesucht, unser Zwischenstopp war in Dubai. Da die meisten Fluggesellschaften Spendengepäck nicht mehr kostenfrei mitnehmen, können Zusatzkosten für ein extra Gepäckstück aufkommen. Informiert euch vorher, ob es Möglichkeiten für eine Vergünstigung von Extragepäckstücken gibt. Es ist auch ratsam möglichst früh mit dem Spendensammeln zu beginnen.

An dieser Stelle möchten wir uns bei allen Dental Firmen, wie DMG, Kulzer, Meisinger, Pluradent, Ultradentproducts, VOCO und allen Privatspendern, bedanken. Mit eurer Hilfe konnten wir den Patienten eine optimale Behandlung bieten.

Unterkunft:

Elena, Sarah und ich wurden herzlichst von unseren betreuenden Ärzten Kanchana und Samantha empfangen und aufgenommen. Wir wurden im „Hideaway“, oder wie wir es liebevoll den „Coconut garden“ nannten, gegen einen kleinen Abschlag untergebracht. Es ist nicht weit von der Klinik entfernt, ca. 8 km. Den Weg konnten wir mit den „Jungle- Bus“ oder dem Tuk Tuk bestreiten. Jede Fahrt war da ein Abenteuer.

Ort der Famulatur:

Kurunegala ist ein kleines Örtchen im Herzen Sri Lankas. Alles andere als touristisch, sodass wir Drei für viele Locals eine Art “Attraktion“ darstellten. Egal ob Busfahrt oder Einkauf – wir wurden beäugt. In solch einem Ort wie Kurunegala herrschen strickte kulturelle und religiöse Regelungen, an die man sich zu halten hat. Dazu gehört das Bedecken von Schulter und Knien. In Richtung der touristischen Regionen lockert sich die Kleiderordnung auf. Trotz Mangel an Englischkenntnissen seitens der Einwohner, waren sie stets freundlich und hilfsbereit.

Famulatur:

Vier Wochen lang durften wir im SAKUKI Dental Hospital unsere Kenntnisse bezüglich Fülllungen, endodontischen Maßnahmen, prothetischer Versorgung, Zahnextraktionen und kieferorthopädischen Behandlungen erweitern.  Die Klinik hatte sieben Tage die Woche geöffnet, wobei die meisten Patienten eher zum Wochenende und am Nachmittag nach ihrem Feierabend kamen. In der ersten Woche wurden wir eingearbeitet und Dr. Samantha hat sich ein Bild über unseren Kenntnisstand gemacht. Schnell wurde uns Vertrauen geschenkt und wir durften nach Absprache sehr selbstständig arbeiten.Das Endergebnis wurde letztendlich wie im Studentenkurs einmal von Kanchana oder Samantha begutachtet.

Gerade der kulturelle Input der Patienten war neu für uns. Viele konnten kein Englisch, aber mit Hilfe der dortigen ZFA´S und viel Kreativität (Hände und Füßen sowie Kritzeleien) konnten wir den Patienten alle nötigen Details zur Behandlung mitgeben und eine angenehme Atmosphäre schaffen. Die meisten Patienten waren stets sehr aufgeschlossen und willig, sich von uns behandeln zu lassen. Andere haben sich nur Dr. Samantha anvertraut.

Unser Kenntnisaustausch mit den betreuenden Ärzten hinsichtlich Therapievorschlägen oder Durchführungen war sehr interessant. Wir konnten viel voneinander lernen. Dort müssen die Kliniken und Praxen mit sehr viel weniger Komfort auskommen, als in Deutschland. Besonders Medikamente für medikamentöse Einlagen bei Wurzelkanalbehandlungen, chirurgischen Eingriffen oder Mundschleimhautveränderungen sind Mangelware. Mit unseren Spenden konnten wir daher viele Behandlungen optimieren.

Neben Samanthas Tätigkeit als Zahnarzt, organisiert er im Rahmen des Gesundheit- Ministeriums eine offizielle Anti-Tabak-Campagne. An einer dieser Sitzungen, die für alle Zahnärzte aus seinem Bezirk galt, konnten wir teilnehmen und Einblicke über neue Aufklärungsstrategien bezüglich des dortigen Tabak- und Betelnusskonsum erhalten. Der durch die Betelnuss verursachte „Oral-Cancer“ ist einer der häufigsten Erkrankungen, an dem die einheimische Bevölkerung verstirbt.

Auch die Universität in Peradeniya (einzige zahnmedizinische Fakultät in Sri Lanka) konnten wir für einen Tag besuchen und einen kurzen Eindruck der Lehre gewinnen und das neu erbaute „Center of Research in Oral Cancer“ bewundern.

Reise:

Direkt im Anschluss unserer Famulatur sind eine zehntägige Reise durch Sri Lanka angetreten. Während unserer Reise besuchten wir Polonnaruwa, die alte Königsstadt. Sie ist wunderschön. Mit einem Fahrrad konnten wir dort alle Ruinen und Tempel, sowie Stauen besuchen. Zwischendurch war natürlich immer ein Stopp für eine frische Kokosnuss drin.

Unsere Reise sollte dann von Kandy mit dem berühmt berüchtigten Zug nach Ella weitergehen. Jedoch war dieser Zug auf Grund des Vollmond-Feiertages der Buddhisten so sehr überfüllt, dass wir unsere Fahrt nach Ella mit einem Auto fortführen mussten. Zum Glück sind Taxifahrten nicht so teuer. Aber selbst die 200km lange Autofahrt durch die Gebirge Sri Lankas waren traumhaft.

Ella, ein kleines Örtchen mit vielen Attraktionen. Es ist sehr touristisch, aber unglaublich empfehlenswert. Die Natur ist atemberaubend und so anders zu den 31 Tagen die wir im sehr heißem Kurunegala verbracht haben. Nach Ella sind wir an die Südküste gereist und haben die Strände rund um Matara, Mirissa und Polhena erkundet. An Polhena Beach, einem kleinen Strand, konnten wir sogar glücklicherweise mit Schildkröten schnorcheln. Das war mit einer der schönsten Erlebnisse unseres Abenteuers.

Leider mussten wir unsere Reise aufgrund der Corona-Pandemie um drei Tage verkürzen.  Unsere Rückreise war jedoch unbeschwert.

Fazit:

Anders als bei anderen Famulaturen, erlebt man im Sakuki Dental Hospital einen relativ normalen Praxisalltag. Man kann sich demnach in allen Bereichen der Zahnmedizin austoben. Interessant ist außerdem der Einblick in die doch etwas anderen Behandlungsmethoden dort. Die Gastgeber Kanchana und Samatha sind sehr offene und liebenswerte Menschen, die den Begriff der Gastfreundlichkeit auf eine ganz neue Ebene katapultieren. Das von Ihnen zur Verfügung gestellte „Hideaway“ ist eine tropische Wohlfühloase mit einem nie endenden Angebot an Kokosnüssen.

Zusammengefasst ist zu sagen, dass unser Abenteuer eine lehrreiche und wunderbare Erfahrung war, die wir jedem wünschen!