2024: Sri Lanka

2024: Sri Lanka

Von: Sarah Köster/ Nadine Sekler (Uni Heidelberg)
Organisation: Sakuki Dental Hospital
Zeitraum: 10.01.2024-15.02.2024

Famulaturbericht Sri Lanka- Sakuki Dental Hospital

Gegen Ende unseres letzten Behandlungstages eröffnete Nadine in unserer Freundesgruppe, dass sie eine Auslandfamulatur in Sri Lanka ab Januar 2024 geplant hat und die hierfür notwendigen Informationen bereits mit Dr. Samantha und seiner Frau Kanchana via WhatsApp ausgetauscht hat. Nach einigen Wochen Überlegungszeit, die vor allem durch den Stress des nahenden Examens begründet waren, entschied sich Sarah, dass es auch für sie eine interessante Erfahrung wäre und sie Nadine gerne begleiten würde. Nach erneutem Chat mit den Verantwortlichen in Sri Lanka und dem Erhalt unserer Einladungen ging es für uns an die Reiseplanung. So kümmerten wir uns auch um Sachspenden für die Behandlungen vor Ort. An dieser Stelle machten wir ein herzliches Dankeschön an die Firmen Henry Schein, NTI, Kuraray, Hu Friedy, Coltene dental, DMG, VOCO, DFSdiamon, Meisinger, Ultradent und Ivoclar vivadent für Ihre Unterstützung aussprechen. Zudem danken wir auch Mjuks, die uns Klinikkleidung zur Verfügung gestellt haben.
Auch kümmerten wir uns um Visa und Flüge. Wir wählten unterschiedliche Wege, unser Visum zu beantragen: Sarah beantragte via Kurierdienst bei der Botschaft in Berlin ihr direktes 90-tägiges Touristenvisum, was mit erheblicher Wartezeit und vielen Telefonaten verbunden war. Nadine entschied sich für das 30-tägige E-Visum, welches sich problemlos auf der Seite der Srilankanischen Bortschaft beantragen ließ. Die Verlängerung war per se ebenfalls schnell über ein Onlineformular erledigt, leider ist die Seite hierzu ein wenig versteckt, was zu längerer Internetrecherche führte. Auch Überprüften wir unsere Impfungen auf die empfohlenen Impfungen und frischten diese bei Bedarf auf. Wenige Tage vor Beginn der
Reise wurden durch einen Videocall mit Dr. Samantha alle verbleibenden Fragen ausgeräumt und dem Start der Reise am 8.1.2024 stand nichts mehr im Wege.

Unterkunft

Nach unserer Ankunft am Flughafen in Colombo wurden wir vom Manager des Cottages (Nilanga) abgeholt und zu unserer Unterkunft gefahren. Auf dem Weg hielten wir an einem Einkaufsladen an, um uns mit den Essentials zum Kochen und Trinkwasser einzudecken. Bei unserer Ankunft im Cottage wurden wir von Sewwandi mit einer Trinkkokosnuss in Empfang genommen. Nach einem ausgiebigen Mittagsschlaf erkundeten wir die weitläufige Anlage und kochten uns in der mit Gaskocher und Reiskocher ausgestatteten Küche unser Abendessen. In den nächsten Wochen wurde die Küche von uns für ausgiebiges Frühstücken an freien Tagen und gelegentliche Kochabende/einen Kochkurs genutzt, an den meisten Abenden nahmen wir uns aber Takeaway-Essen mit, welches wir im Wohnzimmer des Cottages verspeisten.

Die Unterkunft liegt ruhig und idyllisch umgeben von Kokospalmen und Bananenstauden 20 Minuten von der Klinik und dem turbulenten Stadtleben Kurunegalas entfernt. Sie ist via Tuktuk oder dem, mit von uns bis zum Ende nicht ganz nachvollziehbaren Abfahrtszeiten, Bus erreichbar. Wir haben die Erholung vor und nach der Arbeit sehr genossen und schätzten auch die nie endenden Vorräte an frischen Kokosnüssen. Ein Highlight waren dort die Sonnenuntergänge am Pool und die Tierwelt, welche man vom Balkon beobachten konnte. Das Cottage besteht aus zwei separaten Zimmern und einem Wohnzimmer mit Küchenzeile und Kühlschrank,welche wir uns mit den beiden Mitfamulanten teilten.
Da Kurunegala keine Touristenstadt ist waren wir meist die einzigen Ausländer. Die Offenheit der Einheimischen und der Wunsch dieser mit uns zu kommunizieren ließen das schnell vergessen. Zudem zeigten wir ihrer Kultur Respekt, indem wir stets unsere Schultern und Knie bedeckt hielten.

Famulatur

Zu Beginn der Famulatur haben wir 6 Tage ganztags (9-21 Uhr), mit obligatorischer Teepause um 11:30 und 18:30 und einer zweistündigen Mittagspause, gearbeitet. Auch am Wochenende wurde gearbeitet, da es für viele Patienten einfacher ist an diesen Tagen Zeit für den Zahnarztbesuch zu finden. Hierbei wurde die Arbeit je nach Patientenaufkommen auch schon am frühen Nachmittag niedergelegt. Der Dienstag war der einzige freie Tag für Dr. Samantha und somit auch für uns. Diesen Tag verbrachten wir mit Wanderungen, entspannt am Pool oder bei einem Ausflug ins Kloster im Rahmen eines von ihm organisierten Health Camps. Da in der zweiten Woche noch zwei weitere Famulanten ankamen teilten wir uns ab diesem Zeitpunkt die Arbeit. So arbeiteten wir meist halbtags, bei Bedarf waren wir aber auch zu viert in der Klinik und behandelten dort jeweils in Teams.
Im Sakuki Dental Hospital arbeiten auch in Sri Lanka approbierte Zahnärzt;innen, die einen ähnlichen Tagesablauf aus assistieren und selbst behandeln haben. Die Klinik ist mit 5 Behandlungsstühlen ausgestattet, was zu einem hohen Patientendurchlauf führt. Viele der Patienten haben gravierende Zahnprobleme, da ein Zahnarztbesuch oft erst in Anspruch genommen wird wenn Schmerzen auftreten. Interessant hierbei ist, dass den Einheimischen oft die Frontzahnästhetik wichtiger ist als der Zustand ihrer Seitenzähne. Auch wünschen die Patienten häufig Extraktionen von potentiell behandelbaren Zähnen, da diese von der akuten Problematik schnell und vor allem günstig befreit werden wollen, ohne die daraus
resultierenden Folgekosten zu beachten. Der Behandlungsumfang der Kinik, welcher nach kurzer Einarbeitung auch dem unseren entsprach, bestand aus kieferorthopädischen
Behandlungen (für uns hierbei Brackets zu entfernen und Bögen zu wechseln), Scaling, Extraktionen, Füllungen, Wurzelkanalbehandlungen und prothetische Behandlungen, wie Kronen-&Brückenpräparationen und auch Totalprothesen. Des Weiteren bietet Dr. Samantha Implantationen an, bei denen wir assistieren und Teilschritte selbst durchführen durften. Mittels Laser wurden auch spannende Einzelfälle, wie die Freilegung retinierter Eckzähne und Wurzelspitzenresektionen behandelt. Erfreulicherweise waren die Patienten sehr offen für die Behandlung durch uns „fremde“ Zahnärzte und verabschiedeten sich stets mit einem Lächeln und einem Dank bei uns. Auch die Sprachbarriere war erstaunlich einfach durch (rudimentäre) Englischkenntnisse, Übersetzungen der Helferinnen oder Pantomime überwindbar. Nach kurzer Akklimatisierung mit den dort genutzten Instrumenten und Materialien ließen sich die Behandlungen immer zügiger durchführen. Die Behandlungen mussten mit weniger Hilfsmitteln als in einer deutschen Zahnarztpraxis bewältigt werden, jedoch war die Praxis für dieses Land dank vieler Spenden (von uns und früherer Famulanten) verhältnismäßig sehr gut ausgestattet. So gab es beispielsweise nicht nur Hand-, sondern auch maschinelle Feilen für die Wurzelkanalbehandlung und auch ein OPG, welches es in vielen staatlichen Kliniken nicht gibt, war vorhanden. An einem freien Dienstag organisierte Dr. Samantha auf unseren Wunsch hin ein Health Camp in einem buddhistischen Kloster. Dort durften wir unter seiner Ausicht Füllungen legen und Zähne extrahieren. Bei weiterem Behandlungsbedarf wurde den Patienten ein Termin in der Klinik nahegelegt. Auch hier waren die Patienten sehr dankbar über unsere Hilfe. Nach dem Mittagessen wurden wir dort noch durch die Anlage geführt und konnten frischen Honig probieren. Die männlichen Mitfamulanten hatten sogar die Möglichkeit im Kloster zu übernachten und einer Zeremonie
beizuwohnen.

Dr. Samantha und seine Frau erwiesen sich von Anfang an als sehr herzliche Menschen, die auch abseits des Zahnarztalltages stets hilfsbereit waren. So kümmerten sie sich um kleinere medizinische Probleme und besorgten fallls nötig auch die zur Heilung wichtigen Medikamente in der Apotheke/stellten ein Rezept aus. Auch im Cottage wurden schnell Lösungen für dortige Unannehmlichkeiten, wie Affen im offenen Badezimmer, kurzzeitiger Verlust von Strom und Wasser oder einer nicht mehr ausschaltbaren Notlampe, gefunden. Auch führten sie uns in die Kultur ein, gaben Reisetipps und zeigten uns die besten Restaurants der Stadt. Zum Abschluss wurden alle Famulanten zu einem gemeinsamen Essen, welches Kanchana selbst zubereitet hatte, eingeladen. Auch organisierte Dr. Samantha einen Ausflug nach Polonnaruwa mit anschließender Jeep-Safari im Minneriya- Nationalpark  mit vielfachen Elefantensichtungen für uns. Nach 5 Wochen verließen wir den Coconutgarden und Kurunegala, um noch ein wenig reisen zu gehen. Auch wenn wir uns sehr auf unsere Reise freuten gingen wir mit einem leicht wehmütigen Gefühl, da dies für uns wie zu einem zweiten Zuhause geworden war.

Reise

Während unserer Famulatur nutzten wir den freien Dienstag und angrenzende Feiertage für einige Kurztrips. Diese führten uns zu den Dambulla Höhlentempeln, dem Sigirya Rock und bei Sonnenaufgang zum Piturangala mit wunderbarer Aussicht auf die umgebende Landschaft. Auch fuhren wir gemeinsam mit unseren beiden Mitfamulanten für 4 Tage ans Meer nach Trincomalee. Dort entspannten wir am Strand, besuchten Märkte und lernten die Kultur der Hindus näher kennen. Auch die Tageswanderung in Dolukanda war malerisch.
Nach Abschluss der Famulatur ging es für uns in die Königsstadt Kandy, in der wir via Tuktuk eine Tour der interessantesten Monumente der Stadt machten (nicht fehlen durfte natürlich der Zahntempel mit einem Eckzahn Buddahs). Weiter ging es mit dem Zug nach Nuwara Eliya wo es aufgrund des Höhenunterschieds von 2000m deutlich kälter war. Hier wanderten wir einen Teil des Pekoe-Trails durch Teeplantagen, besichtigten Wasserfälle und natürlich Teefabriken (ideal geeignet, um ein Mitbringsel für die Daheimgebliebenen zu finden:)). Unsere gemeinsame Zeit haben wir am Strand von Negombo ausklingen lassen. Für Sarah ging es am nächsten Tag wieder zurück ins kalte Deutschland, während Nadine noch für einen weiteren Monat den Westen und Süden der Insel erkundet.

Wir können eine Famulatur für alle, die einen recht geregelten Behandlungsablauf mit viel selbstständigem Arbeiten wünschen, uneingeschränkt weiterempfehlen. Durch die Freundlichkeit und Offenheit der Einwohner Sri Lankas (sowohl von Seiten der Ärzt;innen, als auch von Patientenseite und im „normalen Alltag“) hatten wir sehr viel Spaß beim Behandeln und freuen uns bald in Deutschland weiter unseren Patienten ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.