2020: Kambodscha

2020: Kambodscha

Von: Marcel Seeßle (Universität Freiburg)
Organisation: Mini Molars Cambodia e.V., Kombodscha
Zeitraum: 13.01.20 – 14.02.20

Zahnmedizin im Ausland praktizieren und gleichzeitig Gutes tun. Nach dem Ende des zweiten Zahnerhaltungskurses an der Uni fühlte ich mich genügend vorbereitet, um den Schritt ins Ausland zu wagen. Nach ausführlicher Recherche fiel mir das Projekt Mini Molars Cambodia e.V. auf, da es sich um eine relativ kleine Organisation handelt, die sich vornehmlich um unterversorgte Kinder in Phnom Penh, Kambodscha kümmert. Der Kontakt zu Herrn Dr. Zuschlag, dem Projektleiter, funktionierte problemlos und so hatte ich schon bald die Zusage für eine 4-wöchige Famulatur mitten in Phnom Penh, der Hauptstadt Kambodschas. Es empfiehlt sich frühzeitig mit Vorbereitungen zu beginnen und so nutze ich einen Kuchen-/Popcorn-/Eisverkauf an meiner Zahnklinik um Spenden aufzutreiben, sowie online funding (gofundme.com). Materialien organisierte ich zudem von diversen Dentaldepots und Herstellern (Pluradent, Henry Schein etc.) für die an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön ausgesprochen werden darf. Ich informierte mich außerdem vorher, welche Materialien besonders benötigt werden, damit ich mein limitiertes Gepäck optimal auslasten konnte. Schließlich organisierte ich mir noch eine „günstige“ Lupenbrille, da ich nicht ohne Lupenbrille behandeln wollte, was ich nur empfehlen kann.

Endlich war es soweit und mein Flieger brach von Frankfurt über Dubai nach Bangkok und letztendlich Phnom Penh auf. Die ersten Eindrücke von Kambodscha waren sehr faszinierend und nach dem Erwerb einer SIM Karte, sowie den ersten kambodschanischen Riel, erreichte ich meine Unterkunft mit einer ersten Tuk-Tuk Fahrt (Tipp: benutzt einfach die Grab-App). Als Unterkunft kann ich sowohl Airbnb, als auch zahlreiche Hostels anraten, wobei auch Hotels in Kambodscha, sowie Essen und Getränke äußerst preiswert sind. Das Klima in Phnom Penh ist sehr schwül und da gerade noch Regenzeit herrschte, gab es täglich 1-2h monsunartige Regenschauer, die allerdings eine wohltuende Abwechslung darstellten.

An meinem ersten Arbeitstag lernte ich zunächst den Ablauf und das gesamte Team, bestehend aus einer kambodschanischen Zahnärztin und zwei/drei Helferinnen, kennen. Alle empfingen mich sehr freundlich und es fiel leicht Anschluss zu finden. Meistens befinden sich auch noch weitere Famulanten von anderen Universitäten vor Ort, die vor allem den Einstieg in den dortigen Praxisalltag erleichtern können. Vor Ort gibt es zwei Behandlungseinheiten, die soweit vollfunktionsfähig sind. Natürlich gibt es nicht den gleichen Standard wie in Deutschland (die Absauger und der Luftpuster sind bei weitem nicht so kraftvoll und hin und wieder gibt es Probleme mit der Elektrik), aber mit den vorhandenen Mitteln lässt sich gut arbeiten. Die Arbeitszeiten begannen meist vormittags gegen 8 und endeten je nach Bedarf zwischen 16:00 und 17:30Uhr. Häufig zählten Kinder mit erheblichen kariösen Läsionen zu unseren Patienten, da in Kambodscha Süßigkeiten und vor allem Softdrinks bei Kindern äußerst beliebt sind.

Anders als ich es in Deutschland gewohnt war, stellten sich die Kinder als sehr tapfer und wenig schmerzempfindlich dar. Alle waren super dankbar für die Hilfe und bedankten sich artig für die nach der Behandlung erhaltene Belohnung in Form von Geschenken (Kinderzahnbürsten + Zahnpasta).

Hauptsächlich wurden Füllungen, aber auch mal eine Vitalamputation und selten Wurzelkanalbehandlungen durchgeführt. Es gibt sogar ein digitales Röntgengerät, allerdings wird häufig bei endodontischen Behandlungen nur mit NaCl gespült und es mangelt an dem uns bekannten Spülkonzept (CHX,EDTA, NaOCl). Oft blieb uns als notwendige Behandlung nur noch die Extraktion als Mittel der Wahl. Somit führten wir täglich Extraktionen durch, bei deren Ausführung wir uns zunehmend erfahrener und sicherer fühlten. Schnell lernte man auch sprachliche Hürden zu umgehen und konnte schon bald die zahnmedizinisch wichtigsten Sätze auf Khmer: (z.B. „Tschuu“ für Schmerzen), sodass einer erfolgreichen Behandlung nichts mehr im Wege stand.Die Behandlungsstation befindet sich direkt neben einem buddhistischen Kloster und man gewinnt einen kleinen Einblick in das Leben buddhistischer Mönche.

Generell findet das Leben in Phnom Penh vielfach auf der Straße statt, d.h. es gibt etliche Essens- und Getränke, sowie andere Lebensmittelstände direkt am Straßenrand. An den vielen Essen- und kleinen Straßenstände lässt sich mittags das gute, exotische kambodschanische Essen genießen und es lohnt sich die vielen Speisen einmal auszuprobieren.

Zu einem traurigen Teil meiner Reise gehörte sicherlich auch der Blick in die Vergangenheit Kambodschas mit dem Besuch des ehemaligen Gefangenlagers Toul Sleng der roten Khmer und der sog. Killing Fields. Man erhält schockierende Eindrücke des Genozides zwischen 1975-1979, der Schreckensherrschaft der roten Khmer und den damals begangenen Verbrechen.

Zu den Ausflugszielen am Wochenende kann ich nur Kampot und Kep im Süden Kambodschas empfehlen. Auf dem Krabbenmarkt in Kep gibt es leckere frisch gefangene Krabben zu kosten und in Kampot erhält man den weltbekannten Kampot Pepper, der auch gern als Reisemitbringsel genutzt wird.

Sicherlich zu den Top-Sehenswürdigkeiten in Kambodscha gehören die Tempelanlagen von Angkor Wat, die sich mittlerweile zum Touristenmagnet des Landes entwickelt haben. Hier sollte man einen mindestens zwei- bis dreitägigen Ausflug einplanen.

Alles in allem habe ich meine Entscheidung, meine Famulatur in Südostasien zu verbringen, nie bereut und kann diese Erfahrung nur jedem weiterempfehlen.

Aus zahnmedizinischer Sicht habe ich viele neue Erkenntnisse und Herangehensweisen gerade im Kontakt mit der jüngeren Patientengruppe gewonnen und bin an den vielen Herausforderungen gewachsen.