Von: Anna-Lena Behnke, Charlotte Bohn, Tarek Meyr, Constantin Wagner (Uni Bonn)
Organisation: Dental Volunteers e.V.
Zeitraum: 10.02.2020 – 24.03.2020
Wir hatten schon relativ früh (ungefähr zur Zeit des Physikums) die Idee, alle zusammen, eine Auslandsfamulatur zu machen. Auch Nepal als Destination sagte uns ungemein zu, weswegen wir im Frühjahr 2019 damit begannen, uns näher mit dem Thema zu beschäftigen.
Wir hatten von anderen Kommilitonen gehört, dass man sich um Himmels Willen früh damit beschäftigen sollte, weil die ganze Organisation so eine lange Vorlaufzeit hat. Das können wir im Nachhinein eher nicht bestätigen, da bei uns alles relativ spontan funktioniert hat. Wir schrieben u.a. Dr. Agnes Wagner von „Dental Volunteers e.V.“ an und es kristallisierte sich recht schnell heraus, dass es wohl alles kein Problem sein würde und es sogar ein Projekt in Nepal geben würde.
Es gingen (zugegebenermaßen) einige Monate mit einer Mischung aus Nichtstun und hin und her durchs Lande. Als wir allerdings Christian, einen befreundeten Zahnarzt, als Supervisor gewinnen konnten, war die Sache schnell geritzt – wir buchten Flüge und begannen mit der restlichen Vorbereitung. Tatsächlich stellte sich der Großteil von Tag zu Tag dann erst in Nepal heraus. Also macht euch keine Sorgen, wenn ihr vorher noch nicht wirklich eine Ahnung habt, wo die „Reise“ hin geht- wir wussten auf dem Hinflug auch noch nicht, wo wir schlafen würden.
So kam es, dass wir dann kurz nach Semesterende auf einmal in Amsterdam mit ca. 120 kg Gepäck am Flughafen standen und aufgeregt unserem langersehnten Auslandseinsatz entgegenfieberten. Einen genauen Plan von dem was uns erwartete hatten wir tendenziell nicht, eher eine vage Ahnung und einen groben zeitlichen Ablauf.
Die Anreise verlief ohne größere Zwischenfälle (bis auf, dass die Abflughalle in Nepal bei unserer Ankunft gebrannt hat und deswegen unser Visum kurzerhand handschriftlich ausgestellt wurde) und wir erreichten das Vajra Hotel, eine „grüne Oase“ und Stützpunkt der Dental Volunteers in Kathmandu. Hier genossen wir eine kurze Aklimatisierungszeit, bevor es an den ersten Teil unseres Einsatzes gehen sollte.
Dort trafen wir auch auf Tabea und Jan, ein junges Zahnärtzeehepaar aus Nürnberg, welche das Los unserer ersten Supervisorschaft gezogen hatten. Wir verstanden uns auf Anhieb ausgezeichnet und es dämmerte uns, dass das bestimmt eine ziemlich coole und lehrreiche Zeit werden würde.
Zur Erklärung, wie es zu unserem ersten Einsatzort kam: Dental Volunteers e.V. unterhält eine Kooperation mit Nepalhilfe im kleinen Rahmen e.V. , einem Verein der sich hauptsächlich auf das Bauen und „Versorgen“ von Schulen konzentriert.
An drei dieser Schulen sollten wir nun Mundhygieneanweisungen und Zahnputzübungen veranstalten, sowie die Klassen screenen/behandeln.
Von Seiten der Nepalhilfe im kleinen Rahmen e.V. wurden uns zusätzlich die beiden Organisatoren/Guides Arjun und Goku zur Seite gestellt, die neben ihren logistischen Fähigkeiten auch noch unglaublich liebenswürdige und lustige Gesellen waren und uns unsere knappen zwei Wochen an den Schulen versüßen sollten.
Nun war also alles soweit eingetütet und wir brannten darauf endlich loszulegen. Als wir die erste Schule im Chaturale Distrikt erreichten, gab es allerdings erstmal einen kleinen Kulturschock, da wir eine unerwartet herzliche Begrüßung (mit Blumenkranz und Applaus) erhielten. Damit rechnet man nun wirklich nicht und wir waren alle entsprechend gerührt und verlegen. Doch man fing sich schnell wieder und besann sich darauf, weswegen man eigentlich hier war.
In Windeseile errichteten wir unser „Mobiles Center“, sterilisierten die Gerätschaften und richteten Tische und Schulbänke so her, dass wir auf ihnen behandeln konnten. Die Erfahrung von Tabea und Jan war in diesem Fall Gold wert, die beiden hatten schon Auslandserfahrung gesammelt, weswegen wir uns wirklich in guten Händen aufgehoben fühlten.
Wir starteten also mit der Behandlung der verschiedenen Klassen, zunächst in Zweierteams, Tabea und Jan schauten uns über die Schultern und gaben uns Tipps. Die Hauptindikationen waren, und würden ab jetzt – Vorsicht Spoiler- entweder Füllung oder Extraktion sein. Glücklicherweise waren wir genau darauf vorbereitet gewesen. Was am Anfang definitiv ungewohnte Situation darstellte, war das Arbeiten mit zum Teil sehr jungen Kindern, zumal man nur indirekt mit ihnen kommunizieren konnte. Nach einiger Zeit kriegten wir jedoch den Dreh raus und wussten, wie wir die kleinen Racker „anzupacken“ hatten.
Was erstaunlicherweise keine Probleme machte, waren die Arbeitsbedingungen (bis auf unsere Rücken, die bei so manchem Wurzelrest doch leiden mussten).Auf diese Weise verbrachten wir unsere Tage, die wie im Flug zu vergehen schienen. Nachdem wir die Klassen durchbehandelt hatten kamen die Eltern dran, im Endeffekt waren es wohl eher die restlichen Dorfbewohner. Für die Verköstigung waren die Köchinnen der Schule zuständig (auch diese wurden von Nepalhilfe im kleinen Rahmen finanziert). Es waren sich alle einig, dass sie selten so gut versorgt wurden wie dort.
Während wir also den ersten Teil unseres Einsatzes mit unseren ganzen Materialien von Schule zu Schule fuhren, so verbrachten wir den zweiten Teil im ‚Phoolbari Hospital‘ nicht allzu weit entfernt von Pokhara. Dort hatten wir das erste Mal die Möglichkeit uns heimisch zu fühlen, da wir dort für zwei Wochen blieben.
Das Krankenhaus stellte uns zwei Räumlichkeiten zur Verfügung. In einem der Räume konnten wir sogar einen Zahnarztstuhl ans Laufen bringen, sodass wir recht professionell arbeiten konnten- auch wenn wir uns doch jetzt schon ganz gut an die Holztische gewöhnt hatten.
Sristi, eine Krankenschwester, konnte glücklicherweise sehr gut Englisch sprechen und half uns so in jeder Behandlung mit den Patienten zu kommunizieren. Es ist unentbehrlich einen Dolmetscher zu haben. Oftmals hatten unsere Patienten keinerlei Grundwissen über Zähne und es wäre unmöglich gewesen zu erklären, dass beispielsweise nur noch eine Extraktion möglich ist und warum genau keine Füllung mehr gemacht werden kann.
Es war irgendwann ganz rührend, da die Dorfbewohner uns sehr herzlich aufgenommen haben und wir bei unseren täglichen Besorgungen immer den ein oder anderen trafen, der uns dann nochmal beim Obststand in den Mund schauen ließ.
Außerdem waren mit uns Bonnern auch noch zwei Zahnmedizinstudentinnen aus Erlangen in dem Krankenhaus und wir waren von der ersten Stunde an auf einer Wellenlänge und konnten wirklich voneinander profitieren, sodass der Abschied umso schwerer fiel.
Die vier Behandlungswochen in Nepal haben uns wirklich geprägt und es war ein unglaublich schönes Gefühl Leuten, die keinen direkten Zugang zu medizinischer Versorgung haben, helfen zu können. Aus den verschiedensten Situationen und den bescheidenen Behandlungsbedingungen konnten auch wir für unsere zahnmedizinische Zukunft ungemein profitieren.
Was man natürlich, wenn man schon mal in Nepal ist nicht missen sollte, ist der Himalaya.
So hatten wir die Gelegenheit, das Ganze mit einer atemberaubenden Wanderung bis auf 5500 Meter abzuschließen und haben noch einer paar Tage das Leben über den Wolken genossen. Eine absolute Empfehlung: der Annapurna-Circuit!
Wir wünschen euch allen bei eurer bevorstehenden Famulatur viel Freude und tolle Erfahrungen!!
