2022: Peru

2022: Peru

Von: Arne Brattinga und Frederic Hoffmann (Uni Köln)
Organisation: Zahnärzte helfen e.V
Zeitraum: 05.02.22 – 08.03.22

Am 05.02.2022 sind wir zusammen voller Erwartungen zusammen in den Flieger nach Peru gestiegen. Wir haben vorher darüber gesprochen, was wir uns von unserer Arbeit in Peru erhoffen und sind vor allem darauf gekommen, dass wir möglichst viele Erfahrungen sammeln und dass wir von den anderen Zahnärzt*innen Tipps und Tricks erlernen. Was uns schon wenige Tage später klar geworden ist: diese Famulatur hält sehr viel mehr bereit.

Nach langsamem Eingewöhnen am ersten Tag, an dem wir beide vor allem den Ärzt*innen vor Ort über die Schultern geschaut haben, fingen wir am zweiten Tag an, selbst unter Aufsicht zu behandeln. Von den ersten Zahnreinigungen, über Füllungen bis hin zu einzelnen Zähnen, die wir mit ziehen durften. Schnell kam man in eine gewisse Arbeitsroutine auf, die wir bisher so in der Zahnmedizin noch nicht hatten.

Sowohl die Behandlungsnotwendigkeiten waren stark anders zu uns Bekannten als auch die Behandlungsorte waren besondere. Wenn sich einzelne Kinder auf den Behandlungsstuhl setzen, den Mund öffnen und von 20 vorhanden Zähnen nur 3 ohne eine kariöse Läsion im Mund stehen, löst das zuerst ein etwas bedrückendes Gefühl in einem aus. Das wandelt sich schnell in einen Tatendrang alles für das Kind zu tun, damit keine Schmerzen mehr bestehen und die Zähne des bleibenden Gebisses möglichst besser behandelt werden. Dank vieler Spenden von verschieden Firmen hatten wir die Möglichkeiten in größerem Rahmen den Kindern erst Füllungen anzubieten und in der Folge diverse Instruktionen und Putzübungen zu geben – gemäß dem Prinzip: Hilfe zur Selbsthilfe. Außerdem konnten wir fast allen Kindern Zahnbürsten und/ oder Zahnpasten mitgeben, damit die zeitnahe Pflege gesichert ist. Auch die Behandlungsorte waren etwas ganz Besonderes in unserem Projekt Zahnärzte helfen e. V. Direkt in der ersten Woche hieß es, dass wir zusammen auf eine eintägige Behandlungskampagne fahren. Also haben wir eine Behandlungseinheit zusammengebaut und alle Materialien und Instrumente für diverse Behandlungsformen zusammengeräumt und sind alle gemeinsam auf die Ladefläche eines Pickups gestiegen und haben uns auf den Weg gemacht die 5.000 m-Marke der Anden zu knacken, um auch den Bewohner*innen eines weit abgelegenen Andendorfes eine zahnmedizinische Versorgung bieten zu können. Zum Dank für die Arbeit gab es im Anschluss ein gemeinsames Essen mit den Bergdorfbewohner*innen. In unserer letzten von vier Wochen haben wir gemäß der normalen Rotation den Stadtteil gewechselt und haben unsere Einheiten wieder umgezogen. Diesmal haben wir, zu unserer Überraschung, in einem Freibad behandelt. Nach unserer Frage, wo hier denn die Einheiten aufgebaut werden sollen, bekamen wir die selbstverständliche Antwort: „am Beckenrand natürlich“. Voller Freude und bei bestem Wetter haben wir so direkt neben der Kinderschwimmstunde am Beckenrand unsere Füllungen und Zahnreinigungen gemacht.

Was aber die für uns wichtigste Erfahrung war: Zusammenarbeit bringt immer Mehrwert. Sowohl mit den anderen Studierenden als auch mit den Zahnärzt*innen war der Austausch und das gemeinsame Arbeiten ein riesen Vergnügen und hat einen ungemeinen Wissenszuwachs gebracht. Sowohl kleine Tipps wie man bestimmte Instrumente anders halten kann, als auch das simple Besprechen von Behandlungsoptionen hat Spaß gemacht und einen nachhaltigen Zuwachs zahnmedizinischer Fähigkeiten gebracht.

Somit lässt sich zusammenfassend sagen, dass diese einmalige Erfahrung uns beide sowohl fachlich als auch persönlich weitergebildet hat und uns in weiteren Werdegang mit Sicherheit in vielen Situationen weiterhelfen wird und wir uns sehr gerne daran erinnern.

Nicht zuletzt lässt sich der kulturelle Austausch auch außerhalb des Behandlungszimmers nennen. Die alltägliche peruanische Kultur kennenzulernen und gegenseitig davon zu profitieren. Als Beispiel lässt sich hier das peruanische Karnevalsfest erwähnen, das mehr einer Wasserschlacht gleicht als dem uns bekannten Karneval gleicht und umgekehrt kennen die Peruaner*innen unsere Karnevalsform nicht und waren recht begeistert von unseren Erzählungen.

Auf diesem Wege wollen wir uns auch nochmal Bedanken bei den verschieden Spendengeberfirmen und ganz besonders bei der Organisation Zahnärzte helfen e.V.

Arne Brattinga und Frederic Hoffmann